Tag 35: die einzigen Gäste…

Heute haben wir es mal anders gemacht… gegen 7 aufgewacht und anstatt die Vormittags-Schlafphase der kleinen Füße mitzuschlafen und dann zu frühstücken, haben wir ersteres direkt für die ersten 100 Kilometer genutzt.

Absolutes Highlight während der Fahrt: wir sehen am Straßenrand eine Handvoll Rentiere grasen. Wir sind hin und weg. Für die Einheimischen ist das vermutlich so, als würden wir bei uns Rehe sehen.

An einem spiegelglatten See wachen die kleinen Füße auf, perfekt um einen Parkplatz mit Aussicht anzufahren und das Frühstück nachzuholen. Das wäre uns fast vergangen nach dem Besuch der Parkplatztoilette, aber irgendwann ist die Blase nicht mehr wählerisch.

Nach Frühstück und Spielstunde geht’s weiter und unser super Reisebaby schläft nochmal ein – wir kommen super durch. Die Strecke (immer noch E6) macht definitiv keinen Spaß mehr: überall Baustellen. Die sehen gerne mal so aus, dass der Straßenbelag aussetzt und laut Schild immer noch 70 gefahren werden dürfen. Dürfen, aber definitiv nicht sollten. Immer wieder rumpelt man über Schlaglöcher, Bodenwellen oder ganze Straßenstücke, die plötzlich nur noch Kieswege sind.

Irgendwann sieht die Landschaft nicht mehr so aus, als wäre hier schon so richtig der Frühling angekommen. Und dann kommt der Schnee. Und um das ganze noch zu bestätigen, passieren wir das Polarsirkelsenteret. Es markiert den Breitenkreis, ab dem die Sonne an den Tagen der Sonnenwende nicht mehr auf- bzw. untergeht.

Es ist jetzt 14 Uhr, um 15 Uhr hat Herr W. einen zweistündigen Online-Workshop. Wir nehmen den ersten Campingplatz der und begegnet. Also eigentlich ist es ein Hotel mit einem Parkplatz mit Steckdosen für vier Wohnmobile/Campervans. Für den Workshop kann Herr W. das Wohnzimmer des Hotels benutzen. Es wird auch keiner stören – wir sind die einzigen Gäste.

Vom Besitzer erfahre ich, dass es vor zwei Wochen schon für diese Zeit sehr warm war (14 Grad) und jetzt nochmal verhältnismäßig kalt wurde. Außerdem erzählt er mir vom Volk der Sami, die hier in den Bergen leben. Es sind ca. 20 – dazu kommen ihre 5.500 Rentiere. Er erzählt, dass viele Rentiere – wenn sie nicht in den Bergen leben – von Autos oder Zügen überfahren werden, da sie ganz verrückt nach Salz sind und im Winter ganz begeistert die Straßen ablecken.

Nach dem Workshop entscheidet sich Herr W. für ein schnelles Gericht – er kocht Spaghetti in Tomaten-Knoblauch-Sauce (eher andersrum). Bei der Suche nach der morgigen Fähre von Bodø nach Moskenes stellt sich raus, dass sie nicht wie erwartet um 16:30, sondern um 13 Uhr geht. Okay, das wird etwas sportlicher. Herr W. duscht deswegen heute – Zeit sparen. Als er wieder kommt meint er nur „wenn in einem Horrorfilm jemand irgendwo reingeht und du als Zuschauer weißt, dass jetzt gleich was passieren wird, so ist hier die Dusche“. Na, mal sehen, ob ich morgen duschen mag. Wohl eher nicht.

Wir planen, morgen wieder so gegen 8 loszufahren. Pläne sind schön, mal sehen was die kleinen Füße, das Wetter und die Straßenverhältnisse dazu sagen.

Und um 22 Uhr ist es schon noch ein wenig hell draußen, trotz Wolkendecke.

Kilometer heute: 267

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