Ab ins Basecamp

Wir haben uns nun insgesamt fünf Nächte in Interlaken erholt. Fünf Nächte. So lange sind wir selten am gleichen Ort. Also eigentlich ist das fast ein Rekord. Aber es war dort so nett und für die kleinen Füße einfach toll. Sie hat eine Schweizer Fahne geschenkt bekommen, selbst gehäkelte Schuhe für eine Puppe (oder den am Rucksack angehängten Plüsch Bernhardiner) und viele Menschen kennen gelernt. Wir wurden von den Dauercampern in unserer Nachbarschaft wirklich herzlich aufgenommen – das haben wir so noch nie irgendwo erlebt.

Und wir waren an zwei Tagen mit dem SUP auf dem Thurner See (Frau W. hätte vor lauter Ausblick und Dahindümpeln fast übersehen, dass die Fähre kommt – zum Glück hupt die ganz schön laut), haben abends Pizza auf der Picknickdecke am See gegessen, sind mit der Zahnradbahn (Harderbahn) auf einen Aussichtspunkt gefahren und haben fast die komplette Zeit draußen verbracht.

Von Corona ist tatsächlich wenig zu spüren, auch wenn sich die Lage in der Schweiz wieder verschärft hat. Die Menschen gehen hier entspannt miteinander um – sicher auch weil wir uns an Urlaubsorten aufhalten und im Urlaub sowieso eher das Gefühl dafür verloren geht. Und dann gibt es auch solche Absurditäten wie das Tragen von Masken beim Einsteigen und Fahren in der Zahnradbahn, allerdings werden so viele Menschen in selbige gestopft, dass man getrost auch auf den Abstand beim Anstehen pfeifen könnte.

Unser nächster Halt wird Zermatt sein. Der Campingplatz wird auch öfter als „Basecamp“ beschrieben. So wirkt er auch. Die kleinen Füße machen bei der Ankunft erstmal ein wenig Unordnung. Also, sie räumt ihren Magen auf. Tja, das wird erstmal ne Reinigung geben… Wir kochen heute nicht, sondern bestellen. Naja, schmeckt ok. Aber spart vor allem das Abspülen.

Am nächsten Tag wollen wir mit der Gonergrat Bahn auf über 3.000 Höhenmeter fahren. Ist teuer (über 120 Franken. Pro Person), wird aber einen Blick auf das Matterhorn, Mont Blanc, Gletscher, sowie 29 4.000er geben. Wir stellen uns ausnahmsweise einen Wecker (komisches Geräusch), um 9 geht das Shuttle zur Gornergratbahn. Die nette Guide im Tal rät uns davon ab, ganz nach oben zu fahren. Kinder unter drei sollten nicht so hoch. Tja, diesem Rat folgen wir. Traurig sind wir schon ein bisschen… aber wir kommen wieder und holen das nach!

Also fahren wir eine Station und beschließen die restlichen 400 Höhenmeter hochzuwandern. Die kleinen Füße schlafen bei mir in der Trage. Yeah, wofür haben wir auch ne Kraxe? Ne Trage zum wandern ist auch total bequem. Man schwitzt sich so wunderbar gegenseitig an. Und Frau W. darf die Kraxe mit ihrem Rucksack als Inhalt tragen…

Wir wandern unter einer brennenden Sonne und immer mit Blick auf das Matterhorn. Liebe Zugspitze, bei dir wissen wir, du bist ein Massiv. Deinen Gipfel muss man immer ein wenig suchen. Das Matterhorn ist halt ein Gipfel. Ein Zahn, der mittendrin hinauf gen Himmel ragt. Einfach ein wunderbarer Anblick.

Es ist sooo schön leer überall – aber die Dimensionen des Bahnhofs, der Hotels und Restaurants in Zermatt und der Gondeln am Berg lassen einen erahnen, welche Massen hier normalerweise unterwegs sind. Schade, hätten den Gipfel ganz oben auch gerne mit so wenigen Menschen genossen. Aber das holen wir irgendwann mal nach.

Es ziehen Wolken auf und wir fahren also oben angekommen auch gleich wieder runter. Schauen uns noch Zermatt an und Mittagessen ist auch wichtig. Die Zeit für unser Shuttle zurück zum Basecamp wird knapp. Und wir müssen noch einkaufen. Das läuft dann ungefähr so ab:

Frau W „ich kümmere mich ums Obst“

Herr W „und ich mich um die gekühlten Sachen und Febreze (Geruch von der Magenaufräumaktion der kleinen Füße)“

An der Kasse dann von mir „Mist, ich wollte noch Bier holen!“ – Frau W „du hast zwei Minuten”…

Zwei Minuten später sind wir schon draußen.

Tja, das alles mit kleinen Füßen in der Kraxe am Rücken. Ein witziger Anblick.

Am Abend gibt es dann Käsetortellini. Davor eine Runde duschen und mir wurden noch die Haare geschnitten. Freiluft versteht sich.

Am nächsten Morgen ist es dann echt zapfig (die Sonne ist um 9 Uhr immer noch hinter dem Berg) – das ist so toll. Wir ziehen dicke Sachen an. Und frühstücken natürlich draußen. Wir ziehen dann um Richtung Sonne. Und irgendwann unsere dicken Sachen sehr schnell aus. Boah wird das gleich wieder warm…

Eigentlich wollten wir zum Bettnerhorn. Wegen der Höhe lassen wir es. Auch hier wieder über der magischen (vertretbaren) Grenze von 2.500 Metern. Auch erst nächstes Jahr. Wir suchen uns einen anderen Platz und auch der erweist sich als Glückstreffer: wir „müssen“ auf den abgeschiedenen Teil des Platzes, weil wir ja keinen Strom brauchen (Solar rentiert sich wirklich!). Also nicht auf die Wiese neben alle Weißwände, sondern auf eine Lichtung zu ein paar Zelten neben einem rauschenden Fluss. Hier ist es in der Nacht stockdunkel und richtig ruhig. Ja, zu den Toiletten ist es weiter.

Der Spielplatz wird hier ausgiebig getestet. Und es gibt zwei Trampoline! Und dann noch Hütten aus dem 16. Jahrhundert. Die sind auch sehr cool!

Wir lernen sehr nette Schweizer kennen. Aus Zürich, die mit ihren beiden Kindern hier zelten. Unsere kleinen Füße freunden sich natürlich an. Mit allen. Hier wird noch öfter hingewandert – um zu spielen, Essen abzugreifen oder einfach um nur nach dem Rechten zu schauen.

Der heutige Tag soll eigentlich zum Schwimmbad gehen. Aber es rentiert sich nicht wirklich und den kleinen Füßen reicht der Spielplatz. Und ein kleiner Spaziergang in der Kraxe. Am Abend regnet es ziemlich viel. Für die Regenkleidung der kleinen Füße kein Problem. Man will ja trotzdem die neuen Freunde besuchen. Während Herr W. das Abendessen kocht, stranden Frau W. und die kleinen Füße bei den Zürichern unter dem Vorzelt, weil es auf einmal wie aus Kübeln gießt. Dann verdrückt man halt gemeinsam eine komplette Wassermelone, mummelt sich in Decken ein und redet über Gott und die Welt – bis das Essen fertig ist und Herr W. mit dem Schirm kommt, um seine vier Füße abzuholen. Das ist ein Service!

Am Abreisetag wird sich verabschiedet – und wir besuchen definitiv bald mal Zürich! Da freuen wir uns jetzt schon drauf!! Heute werden wir viele Kilometer machen – und doch nicht weit kommen…

Wir machen Mitty abfahrbereit, füllen Wasser nach und lassen das Brauchwasser ab und los geht’s. Wir wollen am Grimselpass übernachten. Wetter soll nicht so toll werden, aber wir schauen mal hin.

Am Pass angekommen stellen wir fest: es ist echt nass. Viel zu nass, um die entdeckungsfreudigen kleinen Füße stundenlang im Regen herumlaufen zu lassen. Zum Glück haben wir alles schon mal im trockenen Zustand gesehen.

Also weiter Richtung Bodensee und über den Furkapass. Kurz unter dem berühmten Hotel Belvedere schweift mein Blick zum Schlüsselbrett (zwei Haken an der Beifahrerseite – hatte sich schon in Neuseeland bewährt, dass die Schlüssel immer am gleichen Ort sind!): der Schlüssel vom Wassertank fehlt. Ich hatte den Schlüssel im Verschluss stecken lassen und auf unsere Backbox gelegt. (Achtung, FSK18) FxCK, verdammter Mist und Zefix nochmal. Kurz: wir fahren zurück.

Gesagt getan, wir fahren eine halbe Stunde zurück. Die kleinen Füße wachen langsam vom Mittagsschlaf wieder auf – sind ja schon über eine Stunde unterwegs. Seitdem sie vorwärts fahren wird irgendwie länger geschlafen. Und auch das Problem mit der Übelkeit scheint sich momentan gelöst zu haben.

Am Campingplatz angekommen: nichts. Natürlich hatten wir auch schon angerufen aber genau heute ist der Besitzer erst ab 19 Uhr wieder da. Wir fahren den bisher gefahrenen Weg langsam zurück und, oh Wunder, auf einem Stromverteilerkasten liegt der Deckel mit Schlüssel! Der Wassertankschlüssel ist ein wenig verbogen – ist wohl jemand drüber gefahren… Geht aber noch. Alle anderen sind gut. Glück gehabt. Wenn Routine einkehrt, dann schleichen sich Fehler ein. Also wieder bewusster aufbrechen!

Wir bleiben nicht hier, sondern fahren einen Platz weiter – unsere Gaskartusche vom kleinen Outdoorbrenner ist fast leer und angeblich bekommen wir an diesem ca. 10 km entfernten Platz eine neue. Leider nein. Aber wir beschließen hier zu bleiben, da das Wetter in den Bergen hängt und hier die Sonne scheint. Also einen Platz gesucht und ab dann waren wir eigentlich die ganze Zeit mit vielen Kindern beschäftigt. Also die Kinder haben die kleinen Füße und/oder auch uns beschäftigt. Wir grillen (ein Kind hat sich noch selbst zum Essen eingeladen) und es ist einfach ein toller Tag. Also alles gut gegangen!

Morgen geht es dann nach Österreich – liebe Schweiz, wir kommen wieder! Sehr bald. Wir haben dich lieb gewonnen und müssen neue Freunde in Zürich besuchen. Und alles andere auch noch!

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